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#8: Trauma



Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, mit was ich am besten beginnen könnte. Seit Tagen überlege ich, was ich mit dir teilen möchte und was auch dir helfen könnte, dich und die Welt sensibler für dieses Thema zu machen.


Ich könnte dir von meiner Kindheit erzählen oder von meiner Familie, aber das möchte ich gerade nicht, denn die Personen haben auch ein Privatleben. So versuche ich die richtige Perspektive einzunehmen und die richtigen Worte zu wählen.


Vor ein paar Jahren habe ich mir die Kniescheibe auf Hawai’i zertrümmert. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich nie groß ein ängstlicher Mensch. Wenn ich etwas tun wollte, habe ich es einfach gemacht.


Nach dem Unfall bzw. der Operation gleich danach kam eines zum Vorschein: Angst. Ich hatte panische Angst hinzufallen bzw. Angst vor dem Schmerz, der daraus resultieren könnte. So hatte ich Panik bei jedem kleinen Schritt, den ich von meinem Bett zur Toilette mit Krücken ging und wieder zurück.


Das Thema “Angst” zeigte sich auch anderweitig. Ich bekam eine Blasenentzündung. Die Blase steht für die Emotion “Angst”.


Doch vor was hatte ich eigentlich Angst? Ich weiß es bis heute nicht genau. Oder kann es nur erahnen.


Die darauffolgenden Monate wurde die Angst besser und ich bekam sogar soviel Vertrauen in meinem Körper und in mich, dass ich einen sehr großen “Schritt” wagte: Ich verließ mein zu Hause und begab mich auf Reisen.


Erst ging es nach Hawai’i (Kaua’i), dann ungeplant nach Kanada. Dann wieder nach Deutschland, Kaua’i, Deutschland, Österreich, Kanada, Österreich, Italien, Österreich, Slovenien, Österreich, Deutschland, Italien, Deutschland, Italien, Deutschland, Kaua’i, Deutschland.


Ich hatte bis vor knapp eineinhalb Jahren mein Hab und Gut auf einen Koffer und Rucksack reduziert, weil ich alles bei mir haben wollte, wenn ich reise. Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass mir ein paar T-Shirts als Auswahl doch zu wenig sind ;-)

Ich weiß nicht in wie vielen Unterkünften ich übernachten habe und das alles hat natürlich eine Menge mit mir gemacht.


Auf den Reisen bin ich auch verschiedenen Menschen begegnet.


Und ich glaube, dass jeder Mensch mir irgendwas mitgegeben hat auf seine oder ihre eigenen Art und Weise.


Eine Begegnung, in den ersten Monaten auf Reisen, war so intensiv für mich, dass sie eine weitere Angst nach oben brachte: Die Angst vor Ablehnung. Was das mit meiner Kindheit zu tun hat, kann ich nur erahnen.


Ein paar Wochen nach dieser Begegnung saß ich meiner Freundin gebenüber auf dem Sofa. Plötzlich war mir, als würde ein Meteorit in mein Gedächtnis einschlagen. Ich hatte mich an etwas erinnert. Aber es war nur ein Teil, ein Fragment, den ich bis heute nicht wirklich zuordnen kann. Ich weiß nur, dass ich bitterlich zu weinen begann.


Einenhalb Jahre später konnte ich plötzlich nicht mehr meditieren. Es ging nicht. Obwohl ich das so gerne tat. Ich konnte auch nicht tappen oder meine geliebten Affirmationen oder Motivationsmusik anhören. Alles war mir zu viel. Alles brachte mich innerhalb kürzester Zeit in Unruhe.


Tief in mir drin glaubte ich, dass mein System lernen wollte, ohne diese Dinge zu leben.

Des Weiteren wurde ich immer feinfühliger was Nahrungsmittel anging (und das hat sich leider bis heute noch nicht wirklich gelegt).


Ich war wie überhitzt und brauchte alles Mögliche, was mit heuunterkühlt. Ich vertrug auch keine Sonne mehr, die ich so sehr liebe.


Irgendwann kam die Phase, wo mir gar nichts mehr Spaß gemacht hat. Meine geliebte Kreativität war von einem Moment auf den anderen wie weggeblasen. An manchen Tagen ist sie wieder da, aber nicht so wie früher.


Irgendwann kam eine Phase, wo ich mit allem überfordert war und müde wurde. Die Müdigkeit ist immer noch da, das Gefühl der Überforderung wird langsam besser. Bei der Überforderung habe ich herausgefunden, dass ich mich wohl in der Vergangenheit oft überfordert hatte. Ja, es ist in den Zellen bzw. im Körper gespeichert.


Ich möchte dir keine Angst machen, aber dich für wirklich wirklich dafür sensibilisieren, dass du liebevoll mit dir bist. Langsam, wenn es sein muss. Gut in dich hineinhorchst, wie es dir wirklich geht.


In meinem Leben war ich oft “Augen zu und durch”. Schicht um Schicht zeigt mir mein System, wie ich mich wirklich gefühlt habe.


Am schlimmsten ist dieses Gefühl von “Unwohlsein”. Erst konnte ich es gar nicht zuordnen, weil es keinen Grund dafür gab. Zumindest keinen Offensichtlichen. Mittlerweile kann ich besser unterscheiden, was es sein könnte, z. B. dass ich eigentlich wütend bin oder traurig. Oder Hunger habe. Oder einfach müde bin.


Manchmal fühle ich mich einfach unwohl, weil ich intuitiv weiß, dass etwas Unangenehmes passieren wird, z.B. eine stressvolle Situation. Oder in mir lösen Situationen aufgeregt sein aus, die ich früher “einfach so gemacht habe”.


In der Therapie lerne ich, dass das alles ganz normal ist und zum Prozess dazu gehört. Und ich bin so dankbar für alle Menschen, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen teilen, weil es mir hilft, zu wissen, dass mit mir in einer gewissen Art und Weise “alles in Ordnung ist”.


Ich habe für mich auch herausgefunden, dass mir reine Gesprächstherapie gar nicht hilft bzw. es eher schlimmer macht. Mir helfen körperorientierte Ansätze, wie Somatic Experiencing.


Ich möchte diesen Artikel auch nicht allzu lange werden lassen und hoffe, wenn du ähnliche Erfahrungen machst oder gemacht hast, dich wissen zu lassen, dass du nicht alleine bist.


Mahalo,

deine Doris

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