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#36: Raus aus der Komfortzone

- Januar 2019 -


BÄM! Ihre Worte hatten mich tief getroffen:

„Wieso tragen Sie noch die Schiene? Und die Beugung müsste schon viel weiter sein! Außerdem sollten Sie das Bein anheben können.“


Ich war den Tränen nahe, als die Ärztin mir gegenübersaß und mein (Ex-)Mann neben mir. Ich versuchte mich zu erklären und sagte ihr, dass ich schon ohne Schiene gelaufen bin und, dass ich mit meiner Physiotherapeutin viel früher angefangen hatte, das Knie zu beugen.


Ich verstand die Welt nicht mehr. Warum war sie gefühlt so streng mit mir?


Es triggerte mich sehr.


Ähnlich wie die Situation im Krankenhaus auf Kaua’i, als die Ärztin mir sagte, ich müsse mehr laufen. In meinem Kopf war nur: „Die denken, dass ich faul bin und mich nicht bewegen will.“ Ich versuchte ihnen zu erklären, dass ich wirklich nicht kann, weil ich mich so unglaublich schwach fühlte. Dass ich acht Marathons gelaufen bin und weiß Gott nicht bewegungsfaul bin. Ich kann einfach nicht.


Und jetzt wieder.


Wo lag die Wahrheit? Konnte ich nicht oder wollte ich tatsächlich nicht? Oder war es meine Lernaufgabe konsequent auf meinen Körper zu hören, egal was andere sagen? Ja, das fühlt sich richtig an.


Ich kenne meinen Körper. Der Bewegungsimpuls kam immer von selbst und ich wusste, jetzt ist soweit. Jetzt kommt die Kraft zurück.


Dennoch bin ich sehr dankbar für meine neue Ärztin in Deutschland, sie war wirklich toll und meinte es nur gut mit mir. Vielleicht brauchte ich gerade wirklich einen kleinen Arschtritt, damit ich wieder an Selbstvertrauen gewann. Denn Bewegungsimpuls hin oder her, ich hatte noch verdammt viele Angstblockaden in mir.


Sie zeigte mir eine Streching-Technik, die ich schon kannte: Contract-Release-Stretch. Das brachte mich enorm weiter.


Und ich glaube in dem Moment, als mir beim Beugen vor Schmerzen die Tränen über die Wangen liefen, hatte sie wahrgenommen, wie weit ich an meine Schmerzgrenze gehen kann. Sie sagte dann sogar von selbst, dass es nun reicht und ich nicht so weit an die Grenzen gehen soll.


Aufgetankt mit neuem Mut verließen wir die Praxis. Ja, sie hatte mich im wahrsten Sinne des Wortes aus der Komfortzone geholt. Denn ab diesem Tag änderte sich einiges. Ich wollte im Auto wieder vorne sitzen. Ich wollte ohne Schiene laufen. Und vor allem wollte ich ohne Krücken gehen.


Und in einer Sache hatte sie Recht: Ich konnte mein Bein heben. Es war nur die Angst vor dem Schmerz, der mich davon abgehalten hatte.


Ab diesem Moment saß ich wieder im Auto vorne. Schon bei der Rückfahrt. Ich wollte es einfach so sehr, weil ich es so satt hatte hinten zu sitzen. Das war bei mir schon immer ein guter Motivator: Dinge einfach satt zu haben. Kennst du das?


So trainierte ich jeden Tag mein Bein in alle Richtungen anzuheben - UND ich ließ eine Krücke weg und dann die Zweite. Und dann die Schiene. Wow! Was für ein Fortschrittsmarathon.


Und weißt du was das Schönste war? Ich konnte wieder alleine duschen. Mir hatte bisher mein (Ex-)Mann geholfen in die Dusche einzusteigen, da sie ein leichte Erhöhung hatte. Er musste mich halten, damit ich kurzzeitig auf dem operierten Bein stehen konnte. Das war ein ganz schöner Akt. Ich sehe heute noch die Angst in seinen Augen, als wir das das erste Mal gemacht hatten. Und die pure Freude genau in dem Moment, als mein Bein mein Gewicht trug. YES!


Ich glaube in dem Moment, als ich ihm sagte, dass ich es alleine versuchen möchte, hatte er mehr Bedenken als ich. Das spornte mich noch mehr an.


Da bist du ja wieder Zuversicht, wo warst du nur so lange?


Du hättest mein Grinsen auf meinem Gesicht sehen sollen, als ich es alleine geschafft hatte. HA!


Ab diesem Tag konnte ich nun auch bei uns in der Wohnung duschen. Einfach so. Dann wenn ICH wollte. Frei und unabhängig. Was für ein Gefühl!

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