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#34: Ich bin eine Schreibende

- Dezember 2018 -


Ich muss weiter ausholen: Als ich noch klein war und noch nicht schreiben konnte, habe ich kleine Kringel auf ein Blatt Papier gemalt. Ich habe es meinen Freunden überzeugend unter die Nase gehalten und gesagt, dass ich schon schreiben kann. Da sie selbst nicht schreiben konnten, war die Reaktion voller Bewunderung. Das gefiel mir. Jetzt denkst du dir vielleicht, ob ich als Kind viele solcher Lügenmärchen erzählt habe.


Nein. Das war das einzige Mal. Und ich kann dir gar nicht sagen, was mich damals dazu bewog. Denn im Grunde wurde ich so sehr zu Ehrlichkeit erzogen, dass meine Mutter sogar meinte, ich wäre „dumm-ehrlich“ und man solle doch nicht immer alles sagen.


So sehr ich schreiben können wollte, so sehr wollte ich auch lesen lernen. Meine Mutter hatte mir als Kind immer die „Struwelliese“ vorgelesen. Von den gendermäßig fragwürdigen Inhalten einmal abgesehen, habe ich jedes Wort aufgesaugt, so lange, bis ich es auswendig konnte. Dann habe ich mir das Buch geschnappt und voller Inbrunst und detaillierter Betonung anderen vorgelesen, so als ich könnte ich schon lesen.


In der Schule kam dann das große Erwachen. Ich kassierte für meine Texte in Erörterungen maximal eine vier und ehrlich gesagt, fand ich es total trocken und langweilig, etwas wiederzugeben, was da sowieso schon stand. So wie in Erdkunde eine Grafik textlich zu interpretieren. Ich fragte mich immer warum wir das machen, schließlich war die Grafik doch aussagekräftig genug.


Ich wollte meine Passion in Texte geben. Mein Gefühl und meine Hingabe in Worte legen. So fing ich an, Gedichte zu schreiben. Dieses ganze Gefühlswirrwarr in meiner Jugend musste einfach aus mir heraus.


Als ich 19 Jahre alt war, las ich eine Zeitschrift über Gesundheit. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern: Ich war mit meinen Eltern auf einem Campingplatz in Italien. So saß ich bei einem lauen Sommerabend im Campingstuhl und malte mir aus, wie es wohl wäre für eine Zeitschrift zu schreiben. Da ich weder Abitur noch studiert hatte, hatte ich keine Ahnung wie das gehen soll und habe den Wunsch auch wieder vergessen.


Das Universum meinte es dennoch gut mit mir: 13 Jahre später durfte ich für einen Verlag arbeiten, die u.a. eine Zeitschrift herausbrachte. Mein Wunsch war wahr geworden. Und nicht nur das. Ich hatte mittlerweile mein Abitur über Fernstudium absoliviert und mein geisteswissenschaftliches Studium abgeschlossen. Ich war gefühlt der glücklichste Mensch auf der ganzen Welt.


Vielleicht hatte es ein wenig gedauert, aber der Weg dahin hatte sich über alle Maßen gelohnt.


Zurück auf das Kreuzfahrtschiff.


Nachdem ich im Verlag in der Redaktion viel darüber gelernt hatte, wie man Beiträge verfasst, wollte lernen, wie man ein Buch schreibt. Dazu habe ich an einem Online-Training von Veit Lindau teilgenommen, in dem, unter anderem, erfolgreiche Autoren interviewt wurden.


Eine davon war Eva-Maria Zurhorst. Ich kannte sie schon von einem Podcast und werde nie dieses Gefühl vergessen, das alleine ihre Stimme in mir auslöste. So eine tiefe Verbundenheit zu einem Menschen, den ich überhaupt nicht kannte.


In diesem einstündigen Interview erzählte sie, wie sie zum Schreiben kam und ich habe jedes einzelne Worte genossen. Ebenso, habe ich fast bei jedem zweiten Satz geweint. Es ging so tief in mein System hinein, dass mir klar wurde, wie sehr meine Seele wieder schreiben wollte, auch wenn ich mich, gefühlt, ständig darum herum drückte.


Seit dem Unfall auf Hawai'i war mir das schon irgendwie bewusst. Der Weg vom Denken bis zum Handeln war ein langer. Du kannst dir gar nicht vorstellen, was es mich an Überwindung kostete. Ich dachte immer, wenn man seinem Herzen und seinen Gaben folgt, ist alles ganz leicht, es flutscht nur so dahin. Jedoch hatte ich keine Ahnung wie groß meine Ängste waren und zum Teil immer noch sind, mein Innerstes nach Außen zu bringen und in Worte zu fassen.


Da lag ich nun weinend auf der Sonnenliege, als würde meine Seele mich anschreien, endlich meinen „Arsch“ hochzubekommen. Schließlich war mein Knie verletzt, meine Hände waren völlig in Ordnung.


Dieses Knie hatte mich in jeder Hinsicht wieder auf meinen Weg geschubst, wenn auch sehr SEHR unsanft. Ebenso wie ein zentraler Satz der Autorin, der so tief in mich einfuhr und mich brachial wachrüttelte, weil ich soviel Wahrheit darin fühlte: ICH BIN EINE SCHREIBENDE.


In mir war soviel hervorgeholt worden, dass ich meinem (Ex-)Mann davon erzählen musste. Ich musste es einfach mit jemandem teilen. Seine Reaktion war: „Das wusste ich schon immer, so habe ich dich ja kennengelernt.“ WOW. Ja, er hatte Recht. Als ich damals in der Redaktion gearbeitet habe, sind wir zusammen gekommen …


Bitte tue mir einen Gefallen: Folge deinen Gaben. Was auch immer es ist. Du weißt es. Tief in dir drin. Mögen diese Worte dir dabei helfen, es hervorzuholen.


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