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#32: Im Rollstuhl

- Dezember 2018 -


Nein, ein Teil in mir wollte diese Schiffsreise nicht machen. Warum? Weil ich einfach Angst vor den Strapazen hatte, vor allem vor dem Flug. Doch mein (Ex-)Mann wollte unbedingt. Da ich mich wegen Kaua’i schuldig fühlte, weil er zwei Wochen seines kostbaren Urlaubs geopfert hatte, wollte ich ihm diesen Wunsch erfüllen.


Der Organisationsaufwand war enorm: Vom Rollstuhl beantragen, zum zweiten Sitzplatz im Flieger, bis hin zur Ankündigung meiner Behinderung auf dem Schiff selbst. Ja, ich war behindert. Zumindest in dieser Zeit und das zu akzeptieren war für mich echt hart. Ebenso meine Ängste vor einem erneuten Flug zu überwinden.


Die Rückreise von Kaua'i war ein sehr prägendes Erlebnis und steckte mir immer noch in den Knochen. Ich musste immer noch tief durchatmen, wenn ich daran dachte.


Dann saß ich im Flieger nach Las Palmas und es gab bestimmt angenehmere Dinge im Leben, als mit einer operierten Kniescheibe, Krücken und Gehschiene zu fliegen.


Aber ich konnte bei meinem (Ex-)Mann sitzen, ich hatte guten Kaffee, schöne motivierende Podcasts von Bahar Yilmaz, Laura Seiler und Veit Lindau gehört und mich mit liebevollen Gedanken genährt.


Spannenderweise war das auch das Hauptthema der inspirierenden Worte meiner Vorbilder. Danke, Universum, dass du mir immer das schickst, was ich gerade brauche.


Zum Beispiel so viele nette Menschen. Für mich sind das alles Engel. Je mehr ich mich öffne und ich mich in meinem Gegenüber bewertungsfrei und voller Liebe hinein spüre, desto mehr verwandeln sich die Menschen um mich in Engel. Klingt verrückt. Ist aber in meiner Welt so.


Und das sage ich dir voller Ehrlichkeit, genauso wie ich dir gleich voller Ehrlichkeit sagen werde, dass der größte Engel in meinem Leben, in Form meines (Ex-)Mannes, mich die letzten Tage vor dem Abflug in den Wahnsinn getrieben hat. Und ich befürchte stark, ich ihn auch.


Unsere Launen und der Stresspegel waren enorm und unsere Anspannung vor der Hinreise nach Gran Canaria hatten uns die Nacht vorher kaum Schlafen lassen.


Vor allem war es bei mir die Ungewissheit. Weil ich nicht wusste, wie es wird. Weil ich es nicht kontrollieren konnte. Weil ich Angst vor den Blicken hatte und der Traurigkeit über die Dinge, die ich auf dem Schiff nicht tun konnte.


So hatte ich beim Packen weinen müssen, weil ich das erste Mal, seit wahrscheinlich über 25 Jahren, keine Laufschuhe und Schwimmsachen eingepackt hatte. Das tut weh. Richtig weh. Und es gab auf dem Schiff sogar eine 25 Meter Pool und einen Indoor Cycling Raum.


Von den anderen tollen Sportangeboten mal abgesehen. Wie gerne wollte ich mich einfach mal wieder so richtig klitschnass geschwitzt auspowern. Mich danach gechillt in die Sauna legen, relaxen, eiskalt duschen und mich dann wie neugeboren fühlen.


Und trotzdem hat so ein Rollstuhl seine Vorteile. Zum Beispiel darfst du Priority boarden, d.h. du musst dich nicht anstellen und darfst beim Security-Check sogar sitzen bleiben. Was heißt dürfen, ich wurde schon fast liebevoll dazu gezwungen. Denn ich wollte wirklich aufstehen und durch den Scanner mit den Krücken laufen. Aber die nette Dame und der nette Herr haben mich an der Seite vorbei gelassen und mich dort im Sitzen verständnisvoll abgescannt.


Angekommen am Flieger wurde ich schon erwartet. Mein (Ex-)Mann wiederholte schmunzelnd die Worte der Stewardess noch einmal: „Du wurdest schon erwartet.“


Ja, dieser sekundäre Krankheitsgewinn hat schon etwas ;-)


Aber wäre mein (Ex-)Mann nicht gewesen, hätte ich mich in der Schlange hinten angestellt bzw. angerollstuhlt.


Was irgendwie gar nicht zu meiner Liebe für die Bühne und im Mittelpunkt stehen passt. Aber vielleicht doch. Denn das eine fällt auf durch Schwäche. Das andere durch Kraft und Stärke. Vielleicht ist es meine Aufgabe beides zu vereinen und in Balance zu bringen.


Du glaubst gar nicht, was das für ein „Bei-sich-bleiben-Boot-Camp“ ist, wenn alle Blicke, meist mitfühlend drein blickend, auf dich gerichtet sind.


Auf dem Weg zur Toilette im Flieger durch den engen Gang habe ich gleich den Visualisierung-Tipp von Bahar umgesetzt: Eine leuchtende Pyramide mit Gitternetz um mich herum, die all meine „Bad Vibes“ filtert und die liebevollen Schwingungen durchlässt. Linke Sitzreihe, rechte Sitzreihe. Links ein bisschen Glitzerstaub und rechts ein wenig Sternenmagie.


Das erinnert mich an mein vergessenes Täschchen im Hawai'i-Hin-Flieger im Oktober 2018: „You leave sparkles everywhere you go“.


Ja, auch du, liebe Leserin, lieber Leser. Vergiss das bitte nie, ok?


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