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#27: Die Angst vor dem Fliegen

Hier kommt der nächste Teil meiner "Hawai'i-Geschichte" ...


Du möchtest von Anfang an lesen? #17: Kniescheibe in Trümmern




- November 2018 -


In wenigen Minuten begann das Boarding und ich durfte tatsächlich als Erste in den Flieger. Im gesunden Zustand hätte ich das womöglich ganz cool gefunden, jedoch in meinem Schneckentempo lastete ein unglaublicher Druck auf mir, weil ich das Gefühl hatte, dass alle auf mich warten müssen und ich alles aufhalte. Wäre mein (Ex-)Mann nicht gewesen, hätte ich nicht so ruhig bleiben können. Er ist mit so etwas tiefenentspannt. Er lässt sich von nichts und niemanden stressen oder nur sehr geringfügig. Ja, das konnte ich immer mehr und mehr von ihm lernen.


So hangelte ich mich ganz langsam am Geländer entlang und war immer wieder dankbar, dass es zwar an einer Stelle aufhörte und gleich wieder weiterging.

Die nächste Hürde kam direkt vor dem Flieger. Wie komme ich über diese Lücke drüber? Gott sein Dank hatte ich auch hier wieder jede Menge Engel, in Form des Flugzeugpersonals, um mich herum, die mir alle beistanden. Jaja, dieses Hilfe annehmen wollte noch nicht so recht in mein System hinein. Es war mir immer noch peinlich und ich wollte so gut es ging alles selbst machen. Nur in diesem Fall ging es eben nicht.


Doris, jetzt sei doch einfach mal froh, wenn du Hilfe bekommst! Und die nächste Hilfe brauchte ich dringend, denn es waren tatsächlich Business-Class sitze. Ich saß zwar ganz vorne, aber ich konnte mein Bein nirgends drauf legen. Mein (Ex-)Mann sah mich an und sagte todernst: „Wollen wir wieder gehen?“. Dafür könnte ich ihn heute noch umarmen. Er dachte in dem Moment wirklich nur an meine Bedürfnisse, wo er doch so gerne wieder nach Hause wollte.


Ich sagte: „Nein, das geht schon irgendwie.“ Und das ging es auch, denn er gab mir seinen Aktenkoffer, den er als Handgepäck dabei hatte. Du musst wissen, dass wir sonst immer Rucksäcke in der Vergangenheit als Handgepäck hatten, als hätte ein Teil von ihm schon geahnt, dass er diesmal etwas anderes brauchte. Nicht für ihn, sondern für mich. Zwar war es nicht erlaubt, bei Start und Landung etwas vor den Füßen stehen zu haben, aber auch hier bekam ich vom Universum alle Hilfe, denn sie machten eine Ausnahme.


Und weißt du was das beste ist? Der Flug dauerte sechs Stunden bis zu unserem ersten Stopp in Seattle und ich musste kein einziges Mal auf die Toilette. Verrückt, oder? Mein Körper war wie rein geschweißt in diesem Sitz, ich hatte keinerlei Schmerzen und neben mir saß auch noch Christine, eine Physiotherapeutin, die selbst schon eine Knie-Op hatte. Na, wenn das mal nicht kein „Zufall“ ist, dass der Christ höchstpersönlich neben mir wacht. Ich war in jedem Falle gut aufgehoben, behütet und beschützt.


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