top of page
  • Autorenbilddoris7kessel9

#26: Business-Class-Ticket

Aktualisiert: 14. Jan.


Hier kommt der nächste Teil meiner "Hawai'i-Geschichte" ...


Du möchtest von Anfang an lesen? #17: Kniescheibe in Trümmern





- November 2018 -


Es war soweit, es ging wieder nach Hause mit Business-Class. Was immer ein Traum von mir war Business Class zu fliegen, aber natürlich unter anderen Umständen.


Ja, ich hatte großen Respekt vor dem Rückflug, auch wenn ich natürlich sehr dankbar und glücklich über das Upgrade war. Und natürlich war ich genauso traurig, weil ich gehen „musste“. Dieses Paradies verlassen musste und doch noch soviel dort sehen, erleben und fühlen wollte. Schmerzfrei versteht sich. I’ll be back, das verspreche ich dir Kaua'i. I’ll be back.


Es war schon dunkel, als wir das AirBnb verließen. Wir verabschiedeten uns von allen, die da waren und ich versuchte der Tochter der Haushälterin meine liebevollsten Worte mitzugeben. Ich hatte sie in der Zeit wirklich sehr ins Herz geschlossen. Aber Auntie musste jetzt gehen und mein Abgang war leider nicht so tapfer wie ich dachte, denn beim Reinrobben auf die Rücksitzbank lies ich ein fieser Schmerz aufschreien. Falscher Winkel, verdammt. Her mit den Schmerzmitteln. Das ging ja gut los.


Am Flughafen in Lihue angekommen ging es genauso weiter, denn wir hatten zwar einen Rollstuhl mit „Hochlegfunktion“ für mein Bein geordert, aber sie hatten keinen, auch wenn sie sich unglaublich bemühten mir zu helfen.


So musste ich durch die ganze Sicherheitskontrolle mit den Krücken laufen. Da in Kaua’i viele Flieger am späten Abend gehen, kannst du dir vorstellen, was da los war. Zum Glück wurde ich vorgelassen, wurde aber gerade wegen der Gehschiene extra lange durchsucht. Puh, das war richtig anstrengend. Und doch ging es irgendwie.


Drinnen warteten schon bequeme Sitzgelegenheit auf mich, wo ich mein Bein hochlegen konnte. Thank God.


In solchen Momenten bist du einfach für alles dankbar, was dir die schwierigen Umstände leichter macht. Seitdem weiß ich zum Beispiel sehr die Haltegriffe in Toiletten und Gängen zu schätzen. So auch am Flughafen Richtung Gate. Denn der Boden wurde plötzlich zu einem kleinen Anstieg und was für einen  gesunden Menschen sich wie nichts anfühlt, war für mich mit den Krücken und mangelnden Kraft eine riesengroße Hürde. Danke an alle Geländer dieser Welt, ihr seit sensationell und habt mir immer wieder den Popo gerettet.


Die liebenswerte Flugassistenz schob sogar die ganze Zeit den Rollstuhl nebenher, zur Sicherheit. Aber sitzen hätte ich darin nicht können. Aber sie meinte es einfach gut mit mir. Mahalo.


Geschafft! Wir saßen am Gate und warteten auf unseren Abflug. Hier meinte es das Universum ebenfalls gut mit mir, denn die Sitze hatten nicht überall Armlehnen, so konnte ich auch hier mein Bein hochlagern. Puh.


Du willst nicht wissen, wie oft ich an dem Tag noch auf die Toilette bin, damit ich im Flieger nicht so oft muss. Ich hatte keine Ahnung wo mein (Ex-)Mann sitzt und wie ich überhaupt alleine auf die Toilette komme und ob ich mit meinem gestreckten Bein die Tür schließen kann. Da taten sich plötzlich Ängste auf, die ich so nicht kannte.


Und irgendwie hatte ich schon so ein komisches Gefühl, ob der Sitzplatz wirklich First-Class war, denn auf dem Ticket stand Business-Class. Da hat man lediglich mehr Beinfreiheit, aber das bringt mir gar nichts. Meine Aufregung stieg mehr und mehr an und doch war ein Teil in mir ganz ruhig und zuversichtlich …

29 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

#32: Im Rollstuhl

- Dezember 2018 - Nein, ein Teil in mir wollte diese Schiffsreise nicht machen. Warum? Weil ich einfach Angst vor den Strapazen hatte, vor allem vor dem Flug. Doch mein (Ex-)Mann wollte unbedingt. Da

#31: Novemberblues

- November 2018 - Irgendwie habe ich die beiden Tage im Krankenhaus in Deutschland dann doch überlebt. Ganz ehrlich? Es war schrecklich. Die Schmerzen, die Nachwirkungen des Rückflugs, der Jetlag, die

#30: Tatütata

- November 2018 - Atmen Doris, atmen. Denn im Grunde wurde ich wieder gut betreut. Der Flughafen-Azubi brachte mich im perfekten Rolli mit Beinlift direkt zu meinem Koffer und anschließend zu den nett

bottom of page